Schnittkopie eines T-Shirts

Ein verregneter Tag wie heute, ist perfekt gemacht für Experimente an der Nähmaschine. So habe ich von einem alten T-Shirt den Schnitt abgenommen, ein bisschen verändert und auf einen grauen Stoffrest übertragen, den ich noch in den Untiefen meines Stofflagers gefunden habe. Mit dem Ergebnis bin ich derart zufrieden, dass ich es gleich hier festhalten musste.

Ich habe mir vor einiger Zeit mal in den Kopf gesetzt, ab sofort keine Kleidung mehr zu kaufen und davon geträumt einen Schrank voller selbst gemachter Klamotten zu haben. Diese Idee habe ich dann recht schnell wieder über Bord geworfen, weil es mir erstens zu aufwändig war und ich zweitens im Leben nicht die Disziplin hätte, ab jetzt an allen Schaufenstern mit Scheuklappen vorbei zu laufen.

Dann habe ich die Dokumentation „The True Cost“ gesehen und der Gedanke ist zumindest im Kern wieder aufgetaucht. Der Film dreht sich um die Nachteile, die unser momentanes Konsumverhalten mit sich bringt und welche negativen Auswirkung das auf die Umwelt und die in der Kleiderindustrie arbeitenden Menschen hat. Das es da große Defizite gibt ist nun wirklich kein Geheimnis mehr, aber dass die Folgen so gravierend sind, hätte ich mir nicht gedacht, obwohl ich mich mit dem Thema durchaus schon öfter auseinandergesetzt habe. Beim Sinnieren darüber wie ich meine ökologischen Fußstapfen diesbezüglich etwas verkleinern könnte, viel mir gleich die größte Herausforderung auf. Basics. Für die richtig tollen Dinge, Kleider, Pullis, Jacken, etc. bin ich doch sehr viel bereiter etwas tiefer in die Tasche zu greifen um nicht nur ein schönes, sondern auch ein fair produziert und gehandeltes Teil zu besitzen, aber für einfache Shirts? Hm… Nun kosten Shirts auch mit Fair- und Ökosiegeln nicht die Welt, aber ausprobieren wollte ich es trotzdem, wie lange es dauert ein Shirt zu nähen und ob es eine Alternative zum kaufen ist. Eins steht fest, „Fast Fashion“ ist es nicht, aber ich werde es dafür auch sehr pfleglich behandeln, damit ich lange was davon habe. Und das ist ja auch schon mal ein guter Ansatz.

SchnittentwurfV-Neck

Zuerst habe ich das Vorder- und Rückteil auf den Stoff meiner Wahl (hellgrauer Jersey) kopiert. Schulterkanten, Armausschnitte, Seiten und Saum sind dabei identisch. Nur am Ausschnitt gibt es zwei verschiedenen Linien der Schnittführung. Die Ausschnittlinie für das Rückteil ist blau gekennzeichnet. Zudem hab ich am Vorderteil den Schnitt etwas verändert, da mir ein V-Ausschnitt besser gefällt. Das sieht man an der etwas länger gezogenen schwarzen Linie am Ausschnitt.

ArmSchnittV-Neck

Den Ärmel habe ich konstruiert, da mir die Kopie vom Shirt selbst ein zu großes hin und her Geziehe war. Man misst dafür die untere und obere Ärmellänge, sowie die Ärmelweite. Die Linie auf der der Ärmel später ins Armloch kommt, habe ich Freihand gezeichnet. Erst eine Hälfte und dann symmetrisch übertragen.

Der Rest ist nicht schwer. Bei Vorder- und Rückteil Seiten- und Schulternähte schließen, untere Ärmelnaht nähen, Ärmel einsetzen, Ärmelsäume und untern Saum nähen. Die Säume habe ich mit einer Zwillingsnadel genäht, da das etwas schöner aussieht. Am Ausschnitt habe ich noch einen 4cm breiten Streifen doppelt auf die Ausschnittkante gesetzt und die Nahtzugabe ebenfalls mit einer Zwillingsnadelnaht nach unten auf das T-Shirt gesteppt. Damit der Ausschnitt schön spitz wird, habe ich vorne in der Mitte den Besatz im 45° Winkel von hinten abgesteppt. Da der Jerseystoff nicht ausfranst müsste man es theoretisch nicht versäubern. Schönes sieht es aber natürlich aus, von innen, wem das wichtig ist.

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich weiterhin auch T-Shirts kaufen werde, wenn ich auch in Zukunft darüber nachdenken werde, wo. Trotzdem gefällt mir das Ergebnis sehr gut und es wird sicher nicht das letzte Basic-Shirt aus eigener Produktion sein.

Wenn das hier jemand ließt, der es vielleicht tatsächlich schafft, den Eigenbedarf an Klamotten selbst herzustellen, bitte hinterlasse mir einen Kommentar. Es würde mich wirklich interessieren ob es umsetzbar ist und mit welchem Aufwand.

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